Atelier

Man kann das künstlerische Schaffen von David Mcheidse (DATO) als sehr vielseitig bezeichnen.

Schon als Kind, durch seine Eltern mit der Kunst konfrontiert – der Vater Lewan Mcheidse ist Bildhauer, Dozent und Professor an der Kunstakademie Tiflis, die Mutter Kunsthistorikerin – kann man es kaum als Zufall bezeichnen, dass der Sohn den Weg zur Kunst einschlägt.

Es fing damit an, dass er als zwölfjähriger Junge an einer Kinderausstellung mit den Porträts seines Onkels, dem bekannten georgischen Schriftsteller Shalva Dadiani, teilnahm.

Es war ein sehr gelungenes, ausdrucksvolles Porträt. Man wurde auf ihn aufmerksam und als Dato den Wunsch äußerte, einmal Bildhauer zu werden, war sein weiterer Lebensweg bereits vorgezeichnet.

David Mcheidse wurde am 5.11.1964 in Wismar geboren. Von 1981 bis 1992 besuchte er das Kunsttechnikum „J. Nikoladze“ in Tiflis. Von 1982 bis 1988 studierte er an der Akademie der Künste in Tiflis an der Fakultät für Bildhauerei.

Seine Diplomarbeit „Die Einsame“ wurde in Leningrad auf der Allunionsausstellung von dem Präsidium und Akademie der Künste der UdSSR als beste Arbeit des Jahres 1988 mit dem Bestpreis ausgezeichnet. Anschließend nahm er eine Lehrtätigkeit in der Kunstakademie Tiflis auf.

In der Arena 100x 100 cm ,Öl auf LeinwandDoch schon in dieser Diplomarbeit zeigt sich zum ersten Mal sein Konzept für einen längeren Abschnitt in seiner Schaffensperiode: die psychologische Skulptur, dass stimmungsgeleitete, von inneren Zuständen geformte Standbild. Es beschreibt seelische Zustände von Menschen die von Problemen des Lebens in die Isolation gedrängt wurden als meditatives Insichgekehrtsein oder Symbolik als Ausdruck für die heutige gefährdete Welt.

Die Skulptur „Apokalypse“ von 1990 ist charakteristisch für diese Periode. Zu einer neuen Gestaltung kommt der Künstler bei anderen Arbeiten wie zum Beispiel die „Tänzerin“ von 1993.

Die Oberflächengestaltung unterscheidet sich stark von den von der oben genannten Periode, sie wird grafischer und je nach Aufgabenstellung bizarrer in der Linienführung. Es ist eine bewusste Unterbrechung der plastischen modellierten Formen, ohne dass dabei die Gestalt in ihrer Gesamtheit zerstört wird, gleichzeitig aber der seelische Zustand und Charakter der dargestellten Person unterstrichen wird. So durchzieht das künstlerische Schaffen von Dato auch eine Dynamik, die Lebensbejahung ausdrückt.

Die folgende Schaffensperiode verbringt der Künstler im Saarland. Pendelte er bislang zwischen Tiflis und dem Saarland hin und her, ist er nun mit seiner Familie in Mettlach ansässig. Es entstehen hier mehrere, gemeinsam mit seinem Vater ausgeführte Werke. So zum Beispiel das Ehrenmal auf dem Friedhof in Weiten zu Ehren der im ersten und zweiten Weltkrieg Gefallenen. Es wurde 1993 in Sandstein fertig gestellt und heißt „Trost“. Eine weitere gemeinsame Arbeit war eine Skulptur auf dem Marktplatz in Mettlach. Die 2,80 m große Bronzestatue des heiligen Ludwinus steht auf einem 1,10 m hohen Steinsockel, in dem eine Tafel mit den Daten des Gründers von Mettlach und eine weitere mit den Namen der beiden Künstler eingelassen ist.

Es folgten weitere zahlreiche Aufträge und Ausstellungen im In- und Ausland. Immer wieder steht dabei der Mensch als Mittelpunkt seinem Schaffen, was ebenfalls zahlreiche Porträts von Freunden und Bekannten bekunden. Seit dem Jahr 2000 lebt Dato in Bruchsal, Baden-Württemberg, wo er den alten Bahnhof im Stadtteil Heidelsheim erwarb, um dort sein Atelier einzurichten. Es begann eine sehr intensive und interessante Schaffensperiode, in der sich der Künstler auch der Malerei widmete.

Seine Darstellungsmittel sind außergewöhnlich. Er malt in einer komplizierten und aufwändigen Öl Technik. Mehrere Farbschichten werden übereinandergelegt, zum Teil wieder entfernt, so dass die untere Schicht mehrfarbig durchleuchtet wird.

Die Bilder erinnern oft an Fresken oder an die Porträtdarstellung von Verstorbenen aus der griechisch römischen Kunst. Die Darstellungen auf seinen Bildern werden abstrahiert, verschlingen sich kompliziert ineinander. Es sind meist archetypische Gestalten, die für den Betrachtenden eine Herausforderung sind und zwingen in einen ernsthaften Dialog mit dem Bildinhalt zu treten.

Der Künstler beschreitet von nun an ganz andere Wege, öffnet sich mehr und mehr dem Emotionalen, dem Irrationalen und dem Unbewussten. „EinIMG_0290 riesiger Fundus an Mythen, der ein ganz eigenes Licht auf die Welt wirft, wird dem Beschauer gezeigt“, so ein Artikel über eine Ausstellung von Dato.

Tatsächlich beziehen sich die Skulpturen und Gemälde oft auf Mythen, erregen die Fantasie bei den Betrachtern und zeigen diese Mythen jedoch in einer neuen, verständlichen Form, so dass der Betrachter sich in das Bild oder in eine Skulptur vertiefen kann.

Es entstehen Werke wie „Metamorphose“, „Pegasus“, „Medea“ und andere. Es sind oft torsohafte Gestalten, die variiert werden und von einem überwältigenden technischen Können zeugen, besonders in der Vielfalt der angewandten Materialien. „Beim Malen gehen mir 1000 Gedanken durch den Kopf, die aber der Betrachter später nicht unbedingt in meinen Bildern wieder erkennen muss.“ Er lässt Spielraum für Interpretationen, so dass der Betrachter jedes Mal aufs Neue die Aussage eines Bildes in seiner Fantasie entstehen lassen kann.

Nach der Meinung des Künstlers brauchen die meisten Menschen einen Anknüpfungspunkt, gleichsam eine Orientierung und so belässt er oft konkrete, erkennbare Formen in seinen Arbeiten. Anschauen wird dadurch zum Lernprozess.

Jetzt entstehen immer häufiger menschliche Figuren, Tiere, Fabeltiere, die zum Teil in außergewöhnlichen bizarren Eisenstäbe-Techniken ausgeführt sind, aber auch Holz-Eisenkombinationen zeugen von brillanter Fantasie und ausgeklügelter Technik. So gibt es auch Frauengestalten, die in ihrer Anmut und fast schon außerirdischen Schönheit wirken. Trotz des an und für sich kalten Materials „Eisen“ strömen diese Figuren Wärme und Lebendigkeit aus. sphinx

Höchste künstlerische Vollendung ist in einer seiner schönsten und plastisch vollkommensten, in vielen Jahren modellierten Frauengestalt enthalten. Sie wurde 2013 in einem sehr effektvollen Material, dem sogenannten Neusilber, gegossen. Das Besondere an dieser Komposition ist nicht nur das Material, sondern die Synthese zwischen abstrakten Flächen und klassischen Formen.

Obgleich die einzelnen Flächen durch grafische Linien und Oberflächenbehandlung getrennt erscheinen, ergibt es im Endeffekt eine einheitliche klassische Form. Eben diese Synthese lässt den Torso von allen Seiten lebendig und interessant erscheinen. Hier ist alles bis ins letzte Detail durchdacht. Hier gibt es keine Zufallsmomente, obgleich der Künstler meint, solche könnten ausgenutzt und verarbeitet werden, müssen aber letztendlich in eine moderne ästhetische Form umgewandelt werden.

Bei dem Künstler Dato ist es fast immer das Experiment eine klassische Form, ein klassisches oder zeitlich brennendes Thema, mit einer zeitgemäßen künstlerischen Form zu verbinden. Vorrangig bleibt dabei im Schaffen von Dato das Insichgekehrtsein, die Dynamik und eine immense Lebensbejahung. Man könnte auch sagen der Bildhauer und Maler Dato hat sich die Formel von Bildhauer Professor Lewan Mcheidse, seinem Vater, zu Eigen gemacht:

Kunst = Natur –X + Individualität

Dato nahm und nimmt an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil.

Auch selbstständige Ausstellung erfolgten zum Beispiel in Italien, Frankreich, Luxemburg und in Deutschland

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